Früher, zu Großmutters Zeiten…

Da sitze ich an unserem großen Holztisch am Laptop. gegenüber von mir, keine 2 Meter entfernt sitzt sie. Meine Oma

Ich hatte eine Kindheit, wie man sie sich wünscht. Morgens wurde ich von meiner Mutter zu ihrer Mutter gebracht. Damals noch, wohnte sie direkt am Stadtbad (praktisch in den Sommerferien 😉 ) Jeden Morgen brachte sie mich zur Bushaltestelle und wartete bis ich eingestiegen war. Und jeden Mittag stand sie wieder an der Halstestelle und wartete auf mich. Sie lief mit mir an ihre Wohnung und hörte sich in 5 Minuten Fußweg alles Wichtige, das ich in der Schule erlebt hatte, geduldig an. Sie unterbach mich nie. Hörte aufmerksam zu, stellte Fragen und hielt meine kleine, aufgeregte Hand.  ZuHause angekommen durfte ich direkt vor den Fernseher und 10Minuten im 3.Programm (!!!) die Zeit vertrödeln, bis das Essen aufgetischt war, dass sie liebevoll am Vormittag gekocht hatte. Ich hatte einen Bärenhunger. Und es gab Nachtisch. Meistens selbstgekochter Pudding. Oder Eis.

Bevor ich die Hausaufgaben erledigen musste, durfte ich raus zu den anderen Kindern spielen, oder bei schlechtem Wetter noch eine Weile Fernsehen. Wenn ich dann endlich an den Hausaufgaben saß, hatte ich natürlich wieder Hunger  Ich bekam warme, getoastete Toasts mit Erdnussbutter und Gelee! Und wenn ich noch nicht abgeholt wurde, dann durfte ich manchmal auch kochen! Am echten Herd. Ich bekam immer den selben kleinen blauen Topf, mit weiß melliertem Boden und durfte reinschütten was ich wollte…. genießbar war es nie! Wer will schon Milch, Spülmittel und Nudeln-Eintopf essen?! Aber es hat Spass gemacht 

Sie ging mit mir Einkaufen, schüttelte mit mir im Sommer den Mirabellenbaum auf einem Teppich aus und während sie alle einlaß, naschte ich nur. Am nächsten Tag gab es zum Nachtisch Mirabellenkuchen und auf den Nachhauseweg ein Glas Marmelade mit. Ich saß stundenlang vor ihrem Schminktisch, spielte mit den Spiegeln bis ich mich unendlich oft darin sah, zog ihre Halsketten an und benutzte ihren Lockenstab.

Niemals verriet sie eins meiner Kindergeheimnisse, nie ein böses oder ungeduldiges Wort. Ich sehe sie in meiner Erinnerung immer mit einem Lächeln vor mir!

Und jetzt sitzt sie da ,am anderen Tischende…. isst das Butterbrot das ich ihr gemacht habe und den Apfel…. schaut auf die Wäsche die sie mir zusammen gelegt hat. Den selben Body…. 3 mal… für 20 Wäschestücke hat sie fast 2 Stunden gebraucht. Sie hat mich 6 mal gefragt wo ihre Urenkel sind.
Sie hat diesen warmen Blick verloren. Er wurde ersetzt durch einen oft leeren, verlorenen Blick…. Das schmerzt….

Aber ich erinnere mich voller Liebe an diese Frau, die mit ihren rotgeschundenen Händen so oft meine verstürzten Knie verarztet hat. Unendliche Tonnen Kartoffeln geschält hat und soviele Umarmungen geschenkt hat….

Meine Oma 

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